Im Interview von Everlast AI erwartet Zukunftsforscher Sven Gábor Jánszky bis 2040 mehr humanoide Roboter als Menschen. Die veröffentlichten Basisszenarien großer Marktanalysen liegen um Größenordnungen darunter. Was davon Prognose ist, was Szenario bleibt, und welche Entscheidung ein Mittelständler heute wirklich treffen kann.
Everlast AI veröffentlichte das Gespräch am 3. September 2026 unter dem Titel „Zukunftsforscher packt aus: Wir haben noch 10 Jahre!“. Bei Minute 27:32 sagt Jánszky, Investoren rechneten für 2040 mit mehr humanoiden Robotern als Menschen, also zehn Milliarden. Eine konkrete Studie nennt er an dieser Stelle nicht. Im selben Gespräch erwartet er zwei Humanoide in jedem Haushalt, der sie sich leisten kann. Das ist eine starke Zukunftserzählung. Als belastbare Marktprognose reicht sie noch nicht.
Goldman Sachs Research erhöhte seine Prognose 2024 deutlich. Trotzdem lag das Basisszenario für 2035 bei 1,4 Millionen ausgelieferten humanoiden Robotern und einem Marktvolumen von 38 Milliarden Dollar. Fast alle 250.000 Geräte, die Goldman für 2030 annahm, sollten industriell eingesetzt werden. Der Bericht schrieb ausdrücklich, die technische Tragfähigkeit eines massenproduzierten Allzweckhumanoiden sei noch nicht bewiesen.
Morgan Stanley ging 2025 weiter: knapp eine Milliarde Humanoide bis 2050. Davon sollten rund 930 Millionen in Industrie und Gewerbe arbeiten, etwa 80 Millionen in Privathaushalten. Die breite Verbreitung erwartet die Bank erst ab Ende der 2030er Jahre. Selbst diese offensive Rechnung landet zehn Jahre später bei weniger als einem Zehntel der Zahl aus dem Video.
2b AHEAD beschreibt die eigene Methode als angepasste Delphi-Methode: Tiefeninterviews werden ausgewertet, Zukunftshypothesen formuliert und von Teilnehmenden nach Eintrittswahrscheinlichkeit bewertet. Das kann strategisch nützlich sein, weil es Investitionsabsichten und frühe Signale sichtbar macht. Es misst aber keine fertige Produktionskapazität. Die Aussage „Investoren erwarten das“ ist deshalb ein Hinweis auf ein Zukunftsbild, kein Herkunftsnachweis für zehn Milliarden Geräte.
Hinzu kommt der kommerzielle Rahmen. Das Video bewirbt Jánszkys neues Buch „2035“, der Kanal verlinkt eigene Beratung und Kurse. Das entwertet die Aussagen nicht. Es erhöht aber die Pflicht, spektakuläre Zahlen bis zur Originalquelle zurückzuverfolgen. Diese Originalquelle für zehn Milliarden bis 2040 konnte ich in den veröffentlichten Unterlagen nicht bestätigen.
Jánszky setzt für den deutschsprachigen Arbeitsmarkt selbst eine Bremse in seine Erzählung. Bis kurz vor 2035 erwartet er keine dramatische Massenarbeitslosigkeit. Aus seiner Sicht fängt der Ruhestand der Babyboomer viele wegfallende Stellen zunächst auf. Destatis liefert dafür einen belastbaren demografischen Befund: Bis 2040 erreichen 13,3 Millionen Erwerbspersonen das gesetzliche Rentenalter. Das entspricht 30 Prozent der Erwerbspersonen von 2025. Daraus folgt aber kein nachgewiesener KI Kipppunkt im Jahr 2035.
Auch die Internationale Arbeitsorganisation beschreibt keinen festen Termin für das Ende der Lohnarbeit. Ihr globaler Index von 2025 sieht rund ein Viertel der Jobs potenziell von generativer KI betroffen. Die wahrscheinlichere Folge ist laut ILO Veränderung, nicht vollständiger Ersatz. Das passt besser zu dem, was Betriebe heute sehen: Einzelne Aufgaben werden automatisiert, Verantwortung und Kontrolle bleiben im Unternehmen.
Woche 1: Liste fünf wiederkehrende Aufgaben, bei denen Fehler heute Geld oder Zeit kosten. Noch kein Roboter nötig. Ein sauber begrenzter KI Ablauf reicht.
Bis Tag 30: Teste genau einen Prozess mit echten Fällen, einer menschlichen Freigabe und einer klaren Abbruchregel. Miss Bearbeitungszeit, Nacharbeit und Fehlerrate.
Bis Tag 60: Prüfe, ob physische Robotik für Lager, Transport, Reinigung oder Produktion einen konkreten Engpass löst. Entscheidend sind Taktzeit, Sicherheit, Wartung und Integration, nicht die Körperform.
Bis Tag 90: Triff eine Investitionsentscheidung aus deinen Messwerten. Kein Budget nur deshalb, weil 2040 eine große Zahl im Raum steht.
Sie zeigt, wo du genauer hinsehen solltest. Investiert wird erst, wenn dein eigener Anwendungsfall trägt.
Ich halte die Richtung des Videos für relevant. KI zieht in Entscheidungen und Abläufe ein. Robotik wird günstiger. Deutschland verliert viele erfahrene Arbeitskräfte an den Ruhestand. Wer deshalb heute seine Prozesse nicht kennt, wird später auch keinen guten Agenten und keinen guten Roboter einsetzen.
Die Zahl von zehn Milliarden Humanoiden bis 2040 würde ich trotzdem nicht in eine Präsentation übernehmen. Dafür fehlt die sichtbare Originalrechnung, und die publizierten Basisszenarien liegen viel niedriger. Mein Maßstab ist einfacher: Kann ein System eine echte Aufgabe in deinem Betrieb zuverlässig erledigen, zu vertretbaren Kosten und mit klarer Verantwortung? Wenn ja, testen. Wenn nein, weiter beobachten. Ein Datum im Buchtitel ersetzt diese Prüfung nicht.
Quellen: Everlast AI, Interview mit Sven Gábor Jánszky (veröffentlicht 03.09.2026, Aussagen bei 03:34, 27:32, 33:37 und 35:12) · 2b AHEAD, Buchseite „2035“ (abgerufen 04.09.2026) · 2b AHEAD, Beschreibung der Delphi Methodik (abgerufen 04.09.2026) · Goldman Sachs Research, Humanoiden Markt bis 2035 (27.02.2024) · Morgan Stanley Research, Humanoiden Markt bis 2050 (14.05.2025) · ILO und NASK, GenAI und Arbeit (20.05.2025) · Destatis, Babyboomer und Erwerbspersonen bis 2040 (23.06.2026). Stand: 04.09.2026.
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